Welches Umfeld lässt Ideen am Arbeitsplatz sprudeln? Robert Gerlach skizziert die acht Werte einer kreativen Unternehmenskultur. Nürnberg, 24. April 2012
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Ein schwäbisches Unternehmen schreibt auf seiner Website nicht ohne stolz: "Wir denken unabhängig, weil wir keine Angst davor haben, ungewöhnliche Wege zu gehen!" Ein kalifornisches Unternehmen denkt so ähnlich und ist auch stolz darauf anders zu denken. 2001 Jahren waren beide Unternehmen die Davids ihrer Branche. 10 Jahre später jedoch mussten die Schwaben ihre viel gepriesene Unabhängigkeit einbüßen und den Kalifornien geht es heute so gut wie nie. Was war passiert?
Beide Unternehmen sind ungewöhnliche Wege gegangen, beide besitzen in ihrer Branche Kultcharakter und beide sind als Arbeitgeber äußerst begehrt. Soweit noch kein Unterschied. Wirft man aber einen Blick auf den Aktienkurs, dann hat sich der des schwäbischen Unternehmens seit 2007 geviertelt und der des kalifornischen vervierfacht!! Während der Finanzkrise haben die Schwaben gelitten, wie all die anderen und die Kalifornier hechelten von Rekordgewinn zu Rekordgewinn. Nach der Krise wurde der schwäbische Automobilhersteller vom Goliath der Branche einverleibt und das kalifornische IT-Unternehmen sammelte Milliarden von Dollars auf der Bank. Worin liegt nun das Erfolgsgeheimnis der Kalifornier?
Beide Unternehmen setzten sich hoch gesteckte Ziele und hatten ähnliche Startbedingungen. Während die Schwaben durch Finanzmarktspekulationen mit geliehenem Geld den Goliath der Autobranche übernehmen wollten, setzten die Kalifornier konsequent auf radikale Innovationen - mit eigenem Geld! Sie überraschten ihre Kunden und die Konkurrenz mit neuartigen Dienstleistungen und Produkten, die nichts Geringeres bewirkten, als ganze Branchen umzukrempeln und die Welt zu verändern. Dann kam die Finanzkrise und die Schwaben standen auf einmal mit dem Rücken an der Wand. Sie hatten sich verkalkuliert. Nicht so die Visionäre aus dem Sunshine-Staat, die legten, ganz nach schwäbischer Manier, ein sicheres Polster für harte Zeiten an. Verrückte Welt, oder?!
Auf die Frage der Aktionäre des kalifornischen Global Players, warum bei Rekordumsätzen keine Dividenden ausgeschüttet und stattdessen über 50 Milliarden auf der Bank gehortet werden, antwortete der charismatische CEO im Februar 2010: "Wenn du Risiken eingehst, ist dies wie ein Luftsprung. Wenn die Geschäfte nicht laufen, ist es ganz nett zu wissen, dass es den Boden unter den Füßen immer noch gibt, wenn du wieder landest." Dieses Statement stammt übrigens nicht vom CEO des konservativsten, sondern des innovativsten Unternehmens der Welt. (laut BusinessWeek 2010).
Kreativität und Innovation hat viel mit gesundem Wirtschaften zu tun. Laut einer Studie der Ludwig-Maximilian Universität in München (Ideenschmiede Mittelstand, 2010) sehen mittelständische Unternehmen die größten Risiken von Innovationen darin, dass sie bei Fehlschlägen schnell in eine existenzielle Notlage geraten können. Organisationen, die nicht nur von ihren Visionen träumen wollen, sondern diese auch umsetzen möchten benötigen Eigenkapital - wenn möglich viel! Wer genügend Jetons vor sich auf dem Spieltisch liegen hat, kann gelassen eine größere Summe auf eine Idee setzen oder eine Pokerrunde verlieren ohne den Tisch gleich verlassen zu müssen.
Wer unabhängig denken will, sollte unabhängig sein! Sonst knallt man schon beim ersten Regenschauer in die Leitplanken wie Porsche. Einen schwerwiegenden Unfall haben sich die Ingenieure um den verstorbenen CEO Steve Jobs noch nicht geleistet. Im Gegenteil! Mit den Barreserven könnte man locker einen Autobauer übernehmen und das erste iCar entwickeln.
Tipp: Innovation hat viel mit Sicherheit zu tun. Die größte Freiheit eines Unternehmens ist es frei zu handeln. Wenn man von Banken abhängig ist und sich von kurzfristigen Aktionärswünschen gängeln lässt, legt man seine Entwicklungsabteilung in Handschellen. Finanzielle Rücklagen, so schwäbisch - Pardon! - so kalifornisch das auch klingen mag, sind Voraussetzungen, um leichten Schrittes in unbetretenes Terrain vorzudringen. Wenn's schief geht, wird man ja vom firmeneigenen Privatjet wieder zurück geholt.