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Verhaltensfreiheit fördert kreatives Denken im Job

Wann finden Mitarbeitende die besten Ideen im Job? Spontane Antworten darauf lauten häufig „Zeit zum Nachdenken“, „Kreative Raumgestaltung“ oder „Keine Ablenkung“. Die IQudo-Studie 3.0 zeigt nun allerdings, dass andere Gründe wie Verhaltensfreiheit viel wichtiger ist.

Fast 2/3 der befragten Mercedes-Benz Ingenieure sind am Arbeitsplatz nicht kreativ 

Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz ist die menschliche Kreativität entscheidend. Ohne die Kreativität der Mitarbeiter gibt es keine Innovation. Aber laut IQudo Ideenfindungsstudie 3.0 sind fast zwei Drittel (62,6%) der 155 befragten Ingenieure der Daimler AG am Arbeitsplatz nicht kreativ. Als Gründe dafür nennen die “job-unkreativen” Ingenieure des Mercedes-Benz-Centers in Sindelfingen: “Keine Zeit”, “Zu viele Ablenkungen” und “Mangelnde Raumgestaltung”.

Verhaltensfreiheit toppt Raumgestaltung

Ganz anders jedoch die “job-kreativen” Ingenieure – immerhin mehr als jeder dritte Befragte (37,4%). So zeigte die IQudo-Studie, dass die Raumgestaltung überhaupt keine Rolle für Einfallsreichtum spielt. Kein Einziger der Mercedes-Benz Ingenieure kreuzte die Raumgestaltung an. Auch Zeit zum Nachdenken, in der am Karlsruher Institut für Technologie von Tobias Kind durchgeführten Masterarbeit, landete mit nur 10 Prozent der Nennungen auf dem vorletzten Platz. Interessant jedoch ist die Verhaltensfreiheit. Sie schaffte es auf Anhieb auf den vierten Platz (17%).

Verhaltensfreiheit fördert kreatives Denken

Warum schneidet die Raumgestaltung für kreatives Denken so schlecht ab, bzw. warum fallen andere Faktoren stärker ins Gewicht? Dies könnte daran liegen, dass der Raum, weil gut sichtbar, mit kreativen Ideen assoziiert wird, die Verhaltensfreiheit jedoch nicht so prominent ins Auge fällt. Der Raum dient vor allem der Sichtbarmachung einer kulturellen Identität. So standen die weißen Wände und Schreibtische der Hamburger Agentur Springer & Jacoby für Klarheit und hanseatische Schlichtheit. Sofas? Fehlanzeige! Trotz dieser sterilen Raumgestaltung führte die legendäre Werbeagentur in den 90er Jahren acht Jahre in Folge das deutsche Kreativranking an. Ein Grund war: Verhaltensfreiheit wurde eingeräumt! Es war zum Beispiel völlig in Ordnung mit Rollerblades durch die Gänge zu düsen.

Verhaltensfreiheit und spielende Kinder

Insbesondere bei spielenden Kindern erkennen wir warum die Raumgestaltung weniger wichtig für Kreativität ist als die Verhaltensfreiheit. Kinder spielen überall Fangen, selbst in der Abfertigungshalle am Flughafen. Die Kleinen hören aber auf zu spielen, wenn die Eltern sie maßregeln, “Hinsetzen! Still sein!” und damit ihre Verhaltensfreiheit beschneiden.

Verhaltensfreiheit im Silicon Valley

Ja aber, mögen Sie vielleicht einwenden, im Silicon Valley sind hippe Möbel und Rutschbahnen doch kreativitätsfördernd, oder?

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Die Verhaltensfreiheit im Silicon Valley führt dazu, dass man sich die Freiheit nimmt Büros kreativer zu gestalten. Hier lohnt ein Blick in die Entstehungsgeschichte des Silicon Valley. Der Mindset der kalifornischen Entrepreneure fußt auf dem Californian Dreamin’. Dieses hatte seinen Ursprung im Goldrausch von 1848. Die Menschen strömten in Scharen gen Westen und träumten von einem besseren, freien Leben. Ein weiterer Meilenstein war die Hippybewegung der 60er Jahre. Die Blumenkinder standen nicht nur für Frieden, Drogen und Sex, sondern auch für Selbstverwirklichung und Experimentierfreude und eine neue bessere Welt. Die Hippies glaubten mit ihren Ideen die Welt verbessern zu können. Freies Entfalten, ungezwungenes Verhalten und der Traum die Welt zu verändern sind auch heute noch der Innovationsmotor des Valleys. So entstehen Räume, die eher an eine Spielwiese erinnern als an ein Büro. ‘Loosey-goosey’ – lockerlässiges Arbeiten ist das Credo. Wer sich frei verhalten kann, fühlt sich enthemmt und lockert kognitiv starre Denkstrukturen. Eine Rutschbahn im Büro? Warum nicht! Google hat die Verhaltensfreiheit sogar in seinen Unternehmensprinzipien verankert. Das Google Prinzip #9 heißt: “You Can Be Serious Without a Suit.”

Während Verhaltensfreiheit im Silicon Valley gelebt wird, bemängelt hierzulande Joe Kaeser das fehlende libertäre Verhalten. So schreibt der Siemens-CEO in einem Tweet 2019: “Wenn ein deutscher Vorstands-Chef proaktiv sein Unternehmen auf die Zukunft ausrichtet, gilt er als ‘pathetisch’ oder ‘philosophisch’. Wenn ein kiffender Kollege in USA von Peterchens Mondfahrt spricht, ist er ein bestaunter Visionär.”

Freies Verhalten dient als Druckablassventil

Sich frei verhalten zu dürfen, tut gut aus zwei Gründen: Erstens können wir durch freies Verhalten mentale Grenzen überwinden. Zweitens hilft das Herumalbern, Druck abzubauen, weil wir unsere Seriösität ablegen und mitunter anfangen zu lachen. Laut einer Studie der Universität Oxford steigt der Endorphin-Spiegel im Körper nach einem Lachanfall an.

Führungskräfte sollten Verhaltensfreiheit einräumen

Frei nach Friedrich Schiller: “Geben Sie Gedankenfreiheit!”, sollte das Management Verhaltensfreiheit einräumen. Wenn das Management signalisiert, dass man sich frei verhalten kann, bedeutet dies auch, dass man frei denken kann. In Unternehmen, in denen Füße auf dem Tisch oder spontanes lautes Lachen entspannt hingenommen werden, fühlen sich Mitarbeitende ermutigt freier zu denken und ungewöhnliche Lösungen hervorzuzaubern. Führungskräfte sollten sich nur darauf konzentrieren die Qualität der kreativen Lösungen zu beurteilen.

Freies Denken wird durch Verhaltensfreiheit gefördert

„Dies hier ist Pippi-Langstrumpf-Land, wir können machen, was wir wollen.”, sage ich gerne zu Beginn eines Dual-Thinking-Workshops . Freies Verhalten fördert das Experimentieren und die Leichtigkeit. Der Geist wechselt in den Spielmodus. Auch hier passt ein Zitat von Schiller: “Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.”

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1: Interpersonelle Chemie und deren Einfluss auf die organisationale Kreativität. Kind, Tobias. Masterarbeit, KIT EnTechnon (2016).

2: Social laughter is correlated with an elevated pain threshold. Dunbar, R. I. M.; Baron, Rebecca; Frangou, Anna; Pearce, Eiluned; van Leeuwen, Edwin J. C.; Stow, Julie; Partridge, Giselle; MacDonald, Ian; Barra, Vincent; van Vugt, Mark. DOI: 10.1098/rspb.2011.1373.  (The Royal Society, September 14, 2011).

Robert Gerlach, Kreativitätsforscher

Autor: Robert Gerlach, Kreativitätsforscher, Trainer und Gründer von IQudo® sport of ideas.

Wenn Sie mehr über Verhaltensfreiheit im Büro wissen möchten und wie man kreatives Denken am Arbeitsplatz fördern kann, schreiben Sie mir an: r(punkt)gerlach(at)iqudo.com. Ich melde mich umgehend.

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